5 Fragen an Annette

Start-up Nachmittag am Zollhof – dem Tech Inkubator Nürnbergs
8. Juli 2018
Besuch im Ausbildungszentrum für Hund & Mensch des DATB e.V. am 29. August 2018
6. August 2018

1. Wer bist du und wann und wie bist du Mitglied bei perdox geworden?

Ich heiße Annette, wie wohl die meisten bin ich, als der Pluskurs dann irgendwann zu Ende war, an die netten Menschen von perdox geraten, um ein bisschen in Kontakt zu bleiben.

 

2. Welche Themengebiete haben dich schon immer interessiert und was hast du wo studiert?

„Schon immer“ ist schwierig. Ganz früher habe ich vor allem gern gebastelt, als ich es dann konnte, kam Lesen dazu, ich finde Menschen und ihre ganz verschiedenen Lebenswelten nämlich echt interessant. Ansonsten koche ich sehr gerne und Naturwissenschaften finde ich auch spannend. Deswegen dachte ich lang, „irgendwas in diese Richtung studiere ich dann auch“, bis ich dann über den Schulsanitätsdienst in den Rettungsdienst geraten bin und festgestellt habe, dass Medizin eigentlich ja sehr gut zu meinen Interessen (und hoffentlich auch Fähigkeiten…) passt. Nach einem FSJ im Rettungsdienst konnte ich das für mich bestätigen, hab dann zum Glück auch einen Studienplatz bekommen und studiere jetzt das zehnte Semester Medizin in Würzburg.

 

3. Welche perdox Aktivitäten haben dir bisher am besten gefallen? Woran erinnerst du dich gerne zurück?

Mir macht es echt Spaß, gemeinsam unterwegs zu sein und so auch mal in Bereiche rein zu schauen, von denen ich sonst nicht so viel mitbekomme. Die Fahrt nach Jülich ist da ein tolles Beispiel dafür, auch weil es gleichzeitig ein gutes Gleichgewicht zwischen Exkursionen und gemeinsamer Freizeit war. Ansonsten bin ich ja immer ein großer Fan von Spieleabenden und Stammtischen (mit oder ohne speziellem Thema), auch wenn ich zugegebenermaßen echt selten zum passenden Zeitpunkt in Nürnberg bin…

 

4. Womit beschäftigst du dich jetzt beruflich und wie bist du dazu gekommen?

So ganz aussuchen kann man sich das ja in einem Studium nicht immer, deswegen beschränke ich mich mal eher auf den Nicht-Pflichtstudiums-Teil, den ich spannender finde…

Wie manche ja schon von einem der letzten Stammtische wissen, bin ich im Verein „MediNetz Würzburg e.V.“ aktiv, wo wir uns für einen Zugang zum Gesundheitssystem für alle Menschen einsetzten. Auf lokaler Ebene bedeutet das z.B. Menschen ohne Krankenversicherung (die es auch in Deutschland gibt, z.B. weil eine selbstständige Tätigkeit nicht mehr genug Geld für die private Krankenversicherung einbringt oder weil die Person keinen gültigen Aufenthaltsstatus hat und im Fall einer medizinischen Versorgung ggf. mit einer Abschiebung rechnen muss) an ehrenamtlich arbeitende Ärzt*innen zu vermitteln. Längerfristig reicht das aber nicht aus. Grundsätzlich sehen wir politische Entscheidungsträger in der Pflicht, ein System zu etablieren, in dem alle Menschen ihre (z.B. in dem von Deutschland ratifizierten UN-Sozialpakt verbrieften) Rechte gefahrlos in Anspruch nehmen können. Dazu organisieren wir neben Workshops in Studiengängen aus dem medizinischen und sozialen Bereich auch mal eine Demo oder Podiumsdiskussion mit. Demnächst wird es zum Thema „Menschen ohne Krankenversicherung“ auch eine Anfrage im Landtag geben.

Ansonsten bin ich auch weiter noch auf die ein- oder andere Weise im Sanitäts-/Rettungsdienst unterwegs, hier in Würzburg und in Nürnberg, „Mädchen für alles“ trifft es wohl am besten. Ich würde sagen, der Schwerpunkt liegt dabei auf der Ausbildung, manchmal normale Erste-Hilfe-Kurse, gerne auch für bestimmte Zielgruppen z.B. auf Gebärdensprache, das habe ich nach dem Pluskurs nämlich noch eine Zeit lang weitergemacht, oder auch für perdoxler*innen 😉). Hinzu kommen manchmal Aus- und Fortbildung von (Schul-)Sanis. Dabei habe
ich besonders viel Spaß an Fallbeispielen und realistischer Notfalldarstellung, das bedeutet, dass zu Übungszwecken bestimmte Szenarien von einem Ausbilder*innen-Team vorbereitet werden, wo die Helfer*innen dann (fast) wie in echt handeln können. Manchmal reichen dazu schon ein paar kleine Requisiten und ein bisschen Schauspieltalent, manchmal nutzen wir z.B. für die Inszenierung eines Verkehrsunfalls aber auch Schrottautos, Schminke und ganz viel Kunstblut.

Außerdem bin ich gerade dabei, eine medizinische Doktorarbeit im Bereich Palliativmedizin zu schreiben, die sich quasi an der Schnittstelle zur Notfallmedizin und Medizinethik befindet. Patientenverfügungen sind mittlerweile ja schon recht etabliert, weniger ist das aber bei sogenannten „palliativen Notfallplänen“ der Fall. Dort können Patient*innen mit einer lebensverkürzenden Erkrankung (also z.B. Krebs im Endstadium) ihre Wünsche bezüglich der Behandlung von Notfällen festhalten (z.B. Krankenhaus: ja oder nein), außerdem ist es möglich, dort z.B. Medikamente, die in bestimmten Situationen helfen könnten zu notieren, um dem dann eventuell alarmierten Rettungsdienstpersonal eine Entscheidungshilfe zu geben. Ich möchte nun erforschen, wie bekannt diese Pläne bei Notärzt*innen hier sind, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben und ob sie die dort angegebenen Wünsche immer erfüllen (können?), bzw. was sie daran hindert, wenn nicht.

 

5. Wenn du den anderen Mitgliedern etwas mitgeben dürftest – was wäre das?

Denen, die gerade am Ende der Schulzeit oder am Anfang eines Studiums stehen: informiert Euch über Stipendien. In der Schule war das bei uns (zumindest als ich Abi gemacht habe) gar kein Thema. Es muss weder die Studienstiftung noch das Max-Weber-Programm sein, je nach weltanschaulichem und politischem Background und Fachrichtung gibt es noch eine Menge andere mögliche Förderwerke. Aus eigener Erfahrung kenne ich das Cusanuswerk (katholisch), das neben der Studienkostenpauschale auch ein breites (und, Achtung, als einziges Werk auch verpflichtendes!) Angebot an ideeller Förderung (das heißt: Ferienakademien, Fachschaftstagungen, Sprachkurse und, weil religiöses Werk, auch geistliches Programm) anbietet. Neben den interessanten Menschen, die man dort kennenlernt und fremden Fachgebieten, mit denen man sich durch Ferienakademien quasi automatisch beschäftigt, ist es natürlich angenehm, 300€ pro Monat zusätzlich zur Verfügung zu haben. Das erlaubt mir, selbst zu entscheiden, ob und wieviel ich arbeiten will, oder erlaubt es mir auch, ehrenamtlich dort zu arbeiten, wo ich es wichtig finde.

Und da komm ich auch schon zu meinem zweiten Punkt: wenn es Euch möglich ist, nehmt im Studium (oder auch sonst) zusätzliche Lernangebote wahr! Ich weiß nicht, wie genau das in anderen Fächern ist, aber hier in Würzburg muss man für Medizin nur zwei Wahlfächer aussuchen, der Rest ist vorgegeben. Gerade in den Wahlfächern oder freiwilligen Zusatzkursen ist es aber durch motivierte Dozierende und kleine, interessierte Gruppen oft viel besser möglich, dort viel für die Praxis mitzunehmen, unabhängig davon, ob ich später beruflich „genau das“ machen will. Auf die Art habe ich von Akupunktur, medizinischer Spurenkunde (also Rechtsmedizin, kann man sich fast wie im „Tatort“ vorstellen), Globale Gesundheit, Blutabnehmen für Fortgeschrittene, Verhaltenstherapie bis Kinesio-Taping schon alles Mögliche ausprobiert und bereue es nicht. Außerdem hat fast jede Uni ein Sprachenzentrum und so nervig das Vokabeln-Lernen auch sein kann, ist es schon richtig cool, dann mit Menschen auf einmal sprechen zu können!

Und, wenigstens ein nicht-Uni-Ratschlag noch: seid politisch! Damit ist nicht gemeint, dass man einer Partei beitreten muss. Aber schon in unserem „normalen Umfeld“ stößt sicher jede*r sicher auf eine Menge Fragestellungen, die per se politisch sind. Besonnenheit und Fachwissen ist in Zeiten des Populismus wichtiger als je zuvor. Momentan habe ich das Gefühl, dass politisch alles nur um das Thema „Geflüchtete“ kreist und dabei untergeht, dass es noch viele weitere, aber nicht weniger wichtige Themen gibt. Mit angeblich einfachen Lösungen davon abzulenken halte ich für gefährlich. Geht zu Demos, besteht in Diskussionen auf Fakten, geht wählen, sucht den Diskurs…!